Die Plakate der Bundestagswahl
Der Trend zur Wahl: Plakate sind wieder nüchterner.
Parteien in der Werbung. Was sind die Trends der Wahlplakate zur Bundestagswahl? Bei der zurückliegenden Europawahl konnte man bei einigen Wahlplakaten noch einen gewissen Biss erkennen. Die SPD zeigte den Finanzhai FDP, die Grünen standen mit "Wums" für ein besseres Europa. Obwohl diese Art der Plakate bei den Wählern größtenteils gut ankam (laut einer Befragung der Süddeutschen Zeitung), greifen die Parteien für die bevorstehende Bundestagswahl doch wieder zu konventionellen Mitteln – bedingt durch die geringe Wahlbeteiligung bei der Europawahl. Der Trend jetzt: Personen zeigen. Aber: Es gibt auch hier eine Ausnahme.
Wahlthemen im Mittelpunkt
Die Grünen sind die einzige der fünf großen Parteien, die neben ihren Spitzenkanditaten auch inhaltlich die Wahlthemen zeigen. In bunten Farben und im Graffiti-Look werden Kernenergie, Bildung, Sicherheitsfragen und mehr thematisiert. Mit der modern anmutenden Gestaltung soll der Nerv der Wähler getroffen werden: Wir engagieren uns, sind nah am Menschen und am Puls der Zeit. Kurze, knackige Slogans unterstreichen die Aktualität der Themen. Die nötige Seriosität soll durch die Porträts der Kandidaten vermittelt werden.
Blick ins Gesicht
Anders als die Grünen setzen CDU/CSU, SPD, FPD und Die Linke auf die Aussagen ihrer Spitzenkandidaten und die ihrer Wähler. Die CDU/CSU setzt dabei auf blaue und türkise Farbtöne, die Ruhe ausstrahlen und Vertrauen schaffen sollen. Klar im Fokus sind die Kandidaten, die in alltäglichen Situationen und nicht im Porträt gezeigt werden. Hier wird die Nähe zum Wähler signalisiert. Auffällig bei der CDU/CSU: Jedes Wahlplakat hat eine eigene Anordnung der Texte und Bilder – ein Träger von Flexibilität und Modernität?
Die SPD dagegen bleibt bei der klassichen Kopf-, Slogan-, Logo-Anordnung. Die Testimonials, die sich für die SPD aussprechen, kommen aus allen Bevölkerungsschichten. Sie sind "gutaussehend und glücklich" und wollen ein positives Image für die SPD vermitteln. Die Argumentation "Weil... deshalb" ist stringent und deutlich. Hier will man zeigen, dass die Lösungen vieler Probleme mit der SPD einfach sind.
Ähnlich klassisch kommt die FDP daher: Spitzenkanditaten plus Aufforderungen wie "Leistung wählen" werden mit dem Slogan "Deutschland kann es besser" kombiniert. Gradlinigkeit und Einfachheit stehen hier im Vordergrund. Ein Minimum an Gestaltung und Kreativität möchte Direktheit und Aufrichtigkeit transportieren.
Die Linke arbeitet hauptsächlich mit plakativen Slogans. Schwarze Schrift auf weißem Grund kombiniert mit einem roten Grundton sollen Ausdrucksstärke und Kraft demonstrieren. Die Linke ist die einzige Partei, die Ausrufungszeichen einsetzt mit dem Ziel, Lautstärke in den Wahlkampf zu bringen. Die beiden Kandidaten werden sowohl im Porträt als auch in Momentaufnahme gezeigt.
Plakatwerbung zur Wahl – Sinn oder Unsinn?
Wie brauchbar und lohnend sind nun Wahlplakate überhaupt? Für die letzte Bundestagswahl vor vier Jahren lässt sich rückwirkend festhalten: Es lohnt sich kaum. In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact AG vertraten 77 Prozent der Befragten die Ansicht, dass sich die Parteien die Plakatwerbung komplett sparen könnten. Kritisiert wird, dass der Wahlkampf generell nicht den inhaltlichen Erwartungen der Bürger entspricht. 63 Prozent stellten fest, der bisherige Wahlkampf habe ihnen keine Orientierung bei der Wahl "ihrer" Partei gegeben. Man darf gespannt sein, was die Umfragen für dieses Jahr ergeben.
Weitere Infos
Einen guten optischen Überblick erhalten Sie hier:
http://www.homopoliticus.de/2009/08/14/wahlplakate-2009/
Wie die Leser der Süddeutschen über die Plakatwerbung zur Europawahl abgestimmt haben:
http://www.sueddeutsche.de/politik/673/471216/text/
